Das Gymnasium Bäumlihof war in Informatik von der ersten Stunde an dabei. Als unsere Schule im Kasernenprovisorium ihren Betrieb aufnahm, gab es weder Taschenrechner noch Personalcomputer. Doch schon nach dem ersten Schuljahr tauchten die ersten elektronischen Taschenrechner auf. Zunächst waren es sogenannte Vier-Spezies-Rechner, da sie nur die vier Grundoperationen ausführen konnten. Im zweiten Schuljahr wurde uns der erste sogenannte wissenschaftliche Taschenrechner für den stolzen Preis von Fr. 2350.– angeboten. Es war der legendäre HP 35. Wir haben natürlich abgewinkt und blieben bei unseren Rechenschiebern. Hätte uns damals jemand prophezeit, dass elektronische Taschenrechner innert 20 Jahren von Fr. 2350.– auf Fr. 25.– herunterpurzeln und damit billiger als die umständlichen Rechenschieber würden, wir hätten ihn für verrückt erklärt. Genau das ist aber eingetroffen.
Als unsere Schule an ihren neuen Platz auf dem Bäumlihofareal zog, boten wir unseren ersten fakultativen Informatikkurs an. Zu diesem Zweck hatten wir einen elektronischen Tischrechner HP 9810 der Firma Hewlett Packard für Fr. 12 000.– gekauft. Dass elektronische Tischrechner in der Form von Personalcomputern innert 20 Jahren von Fr. 12 000.– auf ca. Fr. 3000.– fallen und noch mindestens 100mal leistungsfähiger sein würden und dass der Arbeitsspeicher von damals einigen Hundert Registern auf über eine Million Byte anwachsen würde, hätten wir schlicht nicht für möglich gehalten.
Obwohl das Programmieren dieses Rechners sehr umständlich war – man benützte eine Pseudomaschinensprache –, waren die Schüler hell begeistert. Die Schule war damals der einzige Ort, an dem interessierte Computerfreaks ihren Wissensdurst stillen konnten. Jetzt steht dieser Rechendinosaurier in unserem Mathematikzimmer. Sicher könnte er heute schon für einen stolzen Preis an das Technorama in Winterthur oder an einen Industriearchäologen verkauft werden, da solche Geräte jetzt schon von Sammlern gesucht werden. Wir behalten ihn aber lieber an unserer Schule, denn er soll in unserem künftigen «Mathematikmuseum» einen Ehrenplatz einnehmen.
Ab 1975 standen in unserem Computerraum 1, drei elektromechanische Fernschreiber der Firma Olivetti, sogenannte Computerterminals. Diese waren mit dem kantonalen Rechenzentrum der Stadt Basel, der Zentralstelle für elektronischen Datenverkehr (ZED), verbunden. Über ein Modem musste man sich via Telefon mit einem Passwort bei der ZED als erlaubter Benutzer identifizieren, danach konnte man seine Programme eintippen. Als Programmiersprache benützten wir eine einfache Version von BASIC.
Im Timesharing-Verfahren bot der Grossrechner der ZED allen oberen Schulen von Basel seine Computerleistung an. Nur das HG war mit einem Terminal bei der Firma Sandoz angeschlossen. Die Informatikkurse kamen die Stadt Basel recht teuer zu stehen, da die Mieten der Modems, die Anschaffungskosten der Terminals und die Kosten für die telefonische Datenübertragung ordentlich zu Buche standen. Obwohl der Umgang mit den Terminals und der Fernbetrieb über Telefon nicht ohne Probleme waren, wickelten sich unsere Informatikkurse mit grossem Erfolg ab und die Anzahl der Kursteilnehmer stieg stetig an.
Mitte der siebziger Jahre tauchten die ersten sogenannten Homecomputer auf dem Markt auf. In Basel waren es der Apple II und der Commodore Pet. Für Fr. 2000.– kauften wir unseren ersten Microcomputer, einen Commodore Pet. Lehrer wie Schüler waren sofort begeistert und es war nur natürlich, dass wir so schnell wie möglich unsere teuren Terminals verkauften und nach und nach unseren Computerraum mit Microcomputern wie CBM 4032 und C-64 ausstatteten. Erst jetzt konnte unsere Schule einen eigenständigen und von den anderen Schulen und dem Rechenzentrum ZED unabhängigen Informatikkurs betreiben.
Obwohl im Computerraum 1 ab 1982 12 Microcomputer untergebracht waren, drängte sich ein zweiter Computerraum auf. Wir hatten Schwierigkeiten, die vielen fakultativen Kurse und Arbeitsgemeinschaften hintereinander unterzubringen. Als uns die Firma IBM 1985 grosszügig 6 IBM PC schenkte, konnten wir unseren zweiten Computerraum realisieren. Nun war es möglich, Kurse auch parallel zu führen, womit der Stundenplanleger wieder mehr Luft bekam.
Erst auf den 6 neuen eigentlichen Personalcomputern (die CBM 4032 und C-64 gelten als Homecomputer) konnten wir moderne Anwendersoftware wie ein Textverarbeitungssystem, ein Tabellenkalkulationsprogramm und ein Dateiverwaltungsprogramm fahren. Damit kam frischer Wind in unsere Kurse. Waren sie bis anhin reine Programmierkurse, so boten wir nun neu Kurse für reine Computerbenützer an. Vor allem im Kreis der Lehrerschaft und auf dem Sekretariat stieg das Interesse für solche Kurse.
Im Jahr 1988 ersetzten wir die 12 Homecomputer im Computerraum 1 durch 7 neue Commodore AT-40, stellten einen PC in das neugeschaffene Mathematikzimmer und richteten im Oberstufentrakt einen Arbeitsraum für Lehrer mit 1 PC und angeschlossenem Drucker ein.
Zur Zeit erteilen fünf Lehrer Informatikunterricht am Gymnasium Bäumlihof. Es sind dies Jürg Gerschwiler, Dieter Graber, Gerald Süss, Marcel Sutter und Peter Wenger. Mindestens fünf weitere Kollegen verfügen über ausreichende Informatikkenntnisse, um im obligatorischen Informatikunterricht ab Schuljahr 1990/91 zusätzlich Kurse übernehmen zu können.
Es ist natürlich nicht möglich, die technologische Entwicklung der Informatik in den nächsten 20 Jahren auch nur annähernd abzuschätzen. Selbst Experten sind sich darin uneinig. Trotzdem können wir für unsere Schule einige allgemeingültige Aussagen machen:
Gemäss einem Beschluss des Bundesrates müssen alle Schülerinnen von weiterführenden Schulen spätestens mit der Einführung der neuen eidgenössischen Maturitätsverordnung ab 1992 eine obligatorische Einführung in die Informatik erhalten. Obwohl für dieses Obligatorium klare schriftliche Empfehlungen einer Expertenkommission existieren, überlässt der Bund den Umfang, die Dauer und die Art der Durchführung des Informatikunterrichtes der Obhut der einzelnen Kantone.
Am 22.3.1989 beschloss der Erziehungsrat, dass in allen 6. Klassen der oberen Schulen von Basel, ab dem Schuljahr 1989/90, das Fach Informatik neu eingeführt werden soll. Die Ausbildung der Schülerinnen in Informatik soll ein Jahr dauern, wöchentlich 1 Doppellektion umfassen und in Halbklassen durchgeführt werden.
Lehrziel und Lehrplan müssen sich nach den eidgenössischen Empfehlungen für die Durchführung eines obligatorischen Informatikunterrichtes richten. Diese lauten folgendermassen:
Grundbegriffe der Informatik
Daten und ihre Anwendungen
– Textverarbeitung
– Datenbanken
– Tabellenkalkulation
– Grafische Darstellungen
Algorithmen
– Einfache Beispiele für Algorithmen aus dem Schulstoff
– Umsetzung der Algorithmen in ein Computerprogramm
Aufbau und Funktionsweise eines Computers
Geschichtliche Entwicklung und Auswirkungen der Informatik
An unserer Schule werden wir für Textverarbeitung, Dateiverwaltung, Tabellenkalkulation und grafische Darstellungen das integrierte Programmpaket FRAMEWORK II verwenden. Als Programmiersprache verwenden wir für die Erstellung von einfachen Computerprogrammen die benutzerfreundliche Programmiersprache LOGO.
In der 7. Klasse bieten wir einen fakultativen Fortsetzungskurs in Informatik an. Strukturiertes Programmieren, Umgang mit CAD und grössere EDV-Projekte stehen im Zentrum dieses Kurses.
Da unser Gymnasium frühestens in 8 Jahren wieder an die Reihe kommt, sein Rechenzentrum auf den technisch neuesten Stand zu bringen, werden wir mit dem oben vorgestellten Gerätepark den obligatorischen wie den fakultativen Informatikunterricht bestreiten müssen. Die von den Experten auf Mitte der neunziger Jahre angekündigten Computer der 5. Generation, welche mit sogenannter künstlicher Intelligenz ausgerüstet sind, werden erst nach der Jahrtausendwende in unsere Schule einziehen.
Um die Hardware wird es an unserer Schule also in nächster Zeit ruhig sein. Hingegen wird neue Schulsoftware und sogenannte Teachware den Unterricht und den Unterrichtsstil der Lehrer in den kommenden Jahren entscheidend beeinflussen.
Marcel Sutter 1989