Vor fast 7 Jahren bekamen wir das Angebot, eine Lisa für unser Museum zu übernehmen. Der edle Spender aus Freiburg i. B. wollte aber für sich selbst keinen Anerkennungsbetrag annehmen. Und so einigten wir uns darauf, dass unser Museum eine Spende für ein Wasserprojekt in Afrika namens Kalima ausrichten würde.
Das Abholen von gespendeten Geräten – wir kaufen nur selten solche – ist meist eine schöne Sache. Man macht einen Ausflug, oft mit dem Partner, lernt nette Menschen und eine neue Gegend kennen und meist langt es auch noch für einen Kaffee. Meine Frau und ich holten also die Lisa 2/5 zusammen mit der 5MB Profile Festplatte in Freiburg ab und unsere Experten kümmerten sich darum, sie wieder zum Laufen zu bringen. Leider zunächst ohne Erfolg, inzwischen sieben lange Jahre.
Mittlerweilen wurde manches Gerät instand gesetzt und auch die grosse Reparatur der Lochkarten Geräte erfolgreich abgeschlossen. Unsere Lisa schlief in all diesen Jahren - prominent und zeitlich passend zwischen Apple IIIe und Mac Classic in der Apple Reihe aufgestellt - den Dornröschen Schlaf, bis Februar 2025. Bis sich Matthias ihrer annahm und sie wachküsste, gefolgt von unserem einmütigen Hut ab für Matthias.
Seine Arbeit krönte er mit dem folgenden 6-Zeiler:
Endlich geschafft, eigentlich klar,
die Lisa läuft wieder ganz wunderbar.
Ein Update, zwei Flüche,
’ne Prise Apfel‑Gerüche,
ja, denn nicht von selber so was macht sich
bis wieder sie rennt wie im Jahr '84!
und etwas ausführlicher mit dem nachfolgenden Bericht in Kurzform
5 MByte Profile Festplatte
im Netzteil X- und Y-Kondensatoren (Rifa) ersetzt durch neue, bessere X2- und Y2-Kondensatoren
lose Teile aus dem Gehäuse entfernt
Gummifüsse ersetzt (die vorhandenen wurden bereits flüssig)
Kabel mit DB-25 male Steckern erstellt
Abbild des Inhalts (Lisa Office System 3) erstellt, mit diesem konnte nicht mehr gebootet werden
neues Image mit Lisa Office System 2 (LOS 2) – ohne Serialisierung – aufgespielt
Lisa 2/5
im Netzteil X- und Y-Kondensatoren (Rifa) ersetzt durch neue, bessere X2- und Y2-Kondensatoren
Tastatur gereinigt
bei allen Tasten die Folien-Schaumstoff Pads entfernt, gereinigt und durch neue Pads ersetzt (kapazitive Erkennung der Tastendrücke) – die passenden Pads mussten erst noch gefunden werden
Maus gereinigt
Front-Abdeckung gereinigt
400 kByte SS Floppy zerlegt, entfettet, gereinigt und neu gefettet (Silicon- und Moly-Fett)
I/O-Board gereinigt, es hatte noch Rückstände der ausgelaufenen Batterie drauf auf der CPU-Platine den Kondensator für Power-on-Reset und Reset ersetzt, dieser war hochohmig und dadurch wurde die CPU im Reset gehalten
Defekte RAM-Chips (Error 70 und 71) suchen und ersetzen:
mit eingebautem Monitor-Programm Fehlercode von Selbsttest auslesen
defekte DRAM-Bausteine auslöten, Sockel einlöten, Ersatz 41256 einsetzen
eines der beiden IC für Parity auslöten, Anschlussbeinchen reinigen und Oxydschicht entfernen, neu verzinnen und einlöten
alle Kondensatoren (Elektrolyt-Cs und Keramik-Cs) auf den beiden RAM-Boards ausmessen
– 2 Elektrolytkondensatoren mussten ersetzt werden
Noch offen sind
Beim Laufwerk:
Gehäuse reinigen, Reste von wasserfestem Stift entfernen
im Auge (und Ohr) behalten, bei Defekt der Platte diese durch ESProfile im Emulator-Mode ersetzen
Und bei der Lisa selbst:
10er-Block auf Tastatur erneut reinigen
obere und seitliche Abdeckungen reinigen
Halteklammer für DE-9 Buchse der Maus zeichnen und drucken
weitere Software für LOS 2 suchen und installieren
Zum Abschluss noch ein paar Worte, warum die Lisa uns so wichtig ist und wir es all die Jahre bedauerten, dass sie nur so rumstand. Ich übernehme dafür einen Text von Wikipedia, der eigentlich alles sagt:
Der Apple Lisa (auch nur „Lisa“, von „Locally Integrated Software Architecture“) von 1983 war einer der ersten Personal Computer, der über eine Maus und ein Betriebssystem mit grafischer Benutzeroberfläche in einer monochromen schwarz/weiss-Darstellung verfügte. Wegen des hohen Preises von rund 10.000 US-Dollar verkaufte sich der Rechner schlecht, und Apple stellte die Produktion bereits 1984 wieder ein. In diesem Jahr brachte Apple schon einen weiteren Computer mit grafischer Benutzeroberfläche auf den Markt, den einfacheren und deutlich preisgünstigeren Macintosh. Dieser wurde mittelfristig zu einem Erfolg.
Mehr dazu unter https://de.wikipedia.org/wiki/Apple_Lisa
Allerdings muss gesagt werden, dass im Vergleich mit unseren jetzigen Computer es schon ein wenig viel Zeit und Geduld mit der Lisa braucht, bis man nach einem genau vorgeschriebenen Procedere diese sagenhafte erste graphische Oberfläche erreicht. Dennoch finden wir es auch in dieser Hinsicht lohnenswert. Es passt zum Credo unseres Museums zu zeigen, wie es halt Anno Dazumal gewesen ist.
Matthias von Arx und Gerald Süss Februar 2026